Lüttich: „La Sonnambula“, Vincenzo Bellini

Lieber Opernfreund-Freund, im belgischen Lüttich ist derzeit eine ganz besondere Inszenierung von Vincenzo Bellinis Belcanto-Perle La Sonnambula zu erleben. Dabei ergänzt die Choreographin Michèle Anna De Mey die Erzählung mit Hilfe von neun Tänzern um eine zusätzliche Dimension. (c) J. Berger – ORW Liège – Ein Bühnenbild im klassischen Sinne gibt es nicht am gestrigen Abend. Stattdessen wird die Lütticher Bühne beherrscht von einem großen bespielbaren Quadrat, das Tanz- und  . . .

Frankfurt: „Blühen“, Vito Žuraj

Daß man unheilbar kranken Frauen beim Siechtum und schließlich beim Sterben zusieht, ist ein erstaunlich beiläufiger Vorgang zweier der erfolgreichsten Opern des internationalen Repertoires: Verdi läßt seine Traviata ebenso bühnenwirksam an Tuberkulose zugrunde gehen wie Puccini seine Mimi. Das Publikum ist gerührt bis ergriffen und empfindet keinerlei Scham über den eigenen Voyeurismus, der sich letztlich am tödlichen Elend erbaut. Das ist bei der aktuellen Uraufführung am  . . .

Wien: „Orpheus in der Unterwelt“, Jacques Offenbach

Innerhalb einer Woche Offenbach zum zweiten in den Musiktheatern Wiens. Ist im MuseumsQuartier eine Herde Trampeltiere für die „La Perichole“-Aufführung des Theaters an der Wien herumgerast (dafür wurde ausgezeichnet gesungen), nahm die Volksoper für „Orpheus in der Unterwelt“ einen ganz anderen Weg. Man engagierte ein englisches Comedy-Ensemble, von dem man sicher sein konnte, dass es das Publikum nicht mit billigem Austro-Agitprop belästigt. Auch haben sie, was wohl nur die  . . .

Köln: „La Cenerentola“, Gioacchino Rossini

Mit dieser Produktion debütierte die italienische Regisseurin Cecilia Ligorio in Deutschland und fuhr sofort einen großen, einstimmigen Erfolg ein. Ihr Gedanke war, die sprudelnde Kraft von Gioacchino Rossinis Musik zu nutzen, um die Handlung in ein ebenso sprudelndes Ambiente zu versetzen, nämlich in die Welt Amerikas in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als Tanzstars wie Fred Astaire und Ginger Rogers das Tempo vorgaben und überall Revuen mit top- ausgebildeten Tänzern vor  . . .

Hamburg: „Lady Macbeth von Mzensk“, Dmitri Schostakowitsch

Die Handlung der Oper Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch bietet „Sex and Crime“ pur: Vergewaltigung, Ehebruch, Brutalität und Mord sind die äußerlichen Zutaten. Katerina Ismailowa lässt sich auf ein Verhältnis mit Sergei ein, einem Arbeiter im Betrieb ihres Schwiegervaters Boris.  Dieser Boris ist ein bigotter, brutaler und geiler Tyrann. Katarina vergiftet ihn. Und zusammen mit Sergei bringt sie ihren Mann Sinowij um, der von einer Reise zurückkehrt.  Die  . . .

Nürnberg: „Falstaff“, Giuseppe Verdi

Wie sich die Bilder nur scheinbar von Ferne gleichen: Als vor genau zwei Monaten die Oper am Fenice herauskam, konnten wir auf einen hölzernen Theatergaleriebau der Shakespeare-Zeit schauen, der sich in drei Etagen nach oben ausbreitete. Nun, in Nürnberg, wo im 16. Jahrhundert die sog. Meistersinger-Bühne bestand, über deren Rekonstruktion sich im frühen 20. Jahrhundert die Theaterwissenschaftler buchstäblich die publizistischen Köpfe einschlugen, sehen wir wieder auf einen scheinbar  . . .

Wiesbaden: „Rusalka“, Antonín Dvořák

Wenn Sänger ins Regiefach wechseln, geschieht das zumeist nach Beendigung der aktiven Bühnenkarriere. Ein herausragendes Beispiel dafür ist Brigitte Fassbaender, die als international gefeierte Mezzosopranistin bereits im Alter von 56 Jahren die Profession wechselte und mit inzwischen rund 90 Inszenierungen eine der wichtigsten Opernregisseure im deutschsprachigen Raum geworden ist. Zuletzt hatte sich am Staatstheater Wiesbaden die (ehemals) hochdramatische Sopranistin Evelyn Herlitzius an  . . .

Basel: „Rigoletto“, Giuseppe Verdi

Die Premiere von «Rigoletto» in Basel vom 21. Januar 2023 muss als großer Erfolg für das gesamte Team auf, hinter unter und vor der Bühne gewertet werden. Das ist dem Regisseur Vincent Huguet und dem Bühnenbauer Pierre Yovanovitch zu verdanken. Huguets Personenführung ist makellos, seine Interpretation von Rigoletto als Oper und die Darstellung der einzelnen Rollen überzeugend. Dazu kommt der geniale Bühnenaufbau von Yovanovitch, welcher Szenenwechsel durch drei Drehbühnenteile ohne  . . .

Berlin: „Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns

Stimmungsvoll beginnt die Aufführung von Saint-Saëns’ Samson et Dalila in der Inszenierung des argentinischen Filmregisseurs Damián Szifron. Nach der Premiere 2019 hinterlässt die aktuelle Wiederaufnahme-Serie sogar noch einen stärkeren Eindruck, denn einige seltsame Einfälle des Regisseurs waren eliminiert worden. Ètienne Pluss hatte für den 1. Akt in der Stadt Gaza vor dem Tempel des Dagon eine atmosphärische Kulisse mit felsiger Höhlenlandschaft in diffusem Licht (Olaf Freese)  . . .

Wien: „La Perichole“, 2. Besprechung

Nach Wikipedia liegt der dreiaktigen opéra-bouffe, deren Libretto von dem Erfolgsduo Henri Meilhac und Ludovic Halévy stammt, die historische Liaison zwischen Manuel d‘ Amat i de Junyent, Vizekönig von Peru zwischen 1761 und 1776, und der Schauspielerin María Micaela Villegas y Hurtado (1748-1819), genannt La Perricholi, zu Grunde. Jacques Offenbach war ein aufmerksamer und scharfer Kritiker der politischen Verhältnisse seiner Zeit und Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan folgt  . . .

Magdeburg: „Eugen Onegin“, Peter I. Tschaikowski

Wieder einmal – diesmal in Magdeburg – traf eine unverständliche, teilweise geradezu mysteriöse Inszenierung auf eine hervorragende musikalische Verwirklichung, die einen dann doch mit der Regie etwas versöhnte. Der neue Generalintendant des Hauses Julien Chavaz hatte sich in einer Kooperation mit der Opéra de Lorraine in Nancy Tschaikowskis beliebter „Lyrischen Szenen“ angenommen, wobei die inszenatorische Mitarbeit von Annemiek van Elst nicht unerwähnt bleiben soll. Nach einer  . . .

Frankfurt: „Eugen Onegin“, Peter I. Tschaikowski

Die Frankfurter Produktion von Eugen Onegin aus dem Jahr 2016 profitiert ganz wesentlich von den Schauwerten des Bühnenbildes (Katja Haß). Die Szene ist zeitlich vom zaristischen Rußland in ein Ostblockland der späten 1980er Jahre versetzt worden. Der Spielort ist ein gehobenes Restaurant, dessen Rückwand von einem kolossalen realsozialistischen Mosaik geprägt wird. Durch Drehung um 180 Grad gerät man in die weiß gekachelte Küche des Restaurants, wo anstelle von erntenden Landarbeitern  . . .

Köln: „La Bohème“, Giacomo Puccini

Aus 2015 stammt diese Produktion, die es hinsichtlich des optischen Eindrucks, vor allem im 2. Akt, durchaus mit der berühmten Zeffirelliausgabe von 1963 aufnehmen kann. Dem 2020 an Covid verstorbenen chilenischen Bühnen- und Kostümbildner Germán Droghetti sind wunderbar poetische, atmosphärische Bilder zu verdanken, vom Dachatelier der vier Künstlerfreunde über ein auf Montparnasse verweisendes Bild für den turbulenten 2. Akt bis zur winterlich/grauen Szenerie des 3., die den Zuschauer  . . .

Aachen: „Stiffelio“, Giuseppe Verdi

Lieber Opernfreund-Freund, unter Giuseppe Verdis 28 Opern gehört Stiffelio sicher zu den unbekannteren. Das von der Zensur arg gebeutelte Werk ist derzeit in der erst in den 1990er Jahren wiederhergestellten ursprünglichen Fassung am Theater Aachen zu erleben. Dabei trifft sängerischer Glanz auf die kluge Inszenierung von Ewa Teilmans. (c) Marie-Luise Manthei  Dass das Werk kaum einer kennt, mag auch an seiner für Verdi ungewöhnlichen Story liegen. Die kruden Einzelheiten möchte ich  . . .

Wien: „La Périchole“, Jacques Offenbach

Eigentlich war man ins Museums Quartier gekommen, um in einer Produktion des Theaters an der Wien Offenbachs Opéra-Bouffe „La Périchole“ zu sehen, und nicht einen billigen Kabarett-Abend im Pradler-Stil, den Regisseur Nikolaus Habjan bereitstellte. Keine Frage, dass Offenbachs Operetten als politische Satiren gedacht und folglich aktuelle Anspielungen eingeplant waren, aber das dürfte nicht bedeuten, Witz mit Primitiv-Geblödel zu verwechseln und das ganze Werk in eine Prolo-Welt  . . .